Das Zucker-Museum ist Geschichte

Eine süße Weddinger Institution verlässt ihre Heimat – ein bitterer Nachgeschmack
von Martina Matischok

Über die Petition von Frank Rawlinson, freier Mitarbeiter des Zucker-Museums, für den Erhalt und die Zukunft des Berliner Zuckermuseums am Standort Amrumer Straße 32 in Berlin-Mitte Ortsteil Wedding hat der Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses mit Schreiben an den Petenten vom 17.01.2013 leider ablehnend entschieden.

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Martina Matischok vor Zuckerrüben

Die Ablehnung erfolgte auf Grund einer Stellungnahme von Staatssekretär Schmitz – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten -.

Danach heißt es, dass das Zuckermuseum zusammen mit dem Institut für Zuckerindustrie nach 1945 in den Besitz des Landes Berlin kam und 1978 treuhänderisch von der Technischen Universität Berlin in die eigenen Räume am Standort Amrumer Straße 32 übernommen wurde.

1986 wurde das Zuckermuseum wieder als eigenständiges Museum des Landes Berlin in Form einer nichtselbständige Anstalt in den Räumlichkeiten der Technischen Universität Berlin eingerichtet. Seit 01.11.1995 ist das Zuckermuseum Bestandteil des Deutschen Technikmuseums Berlin, wobei seit dem Jahr 2001 das Zuckermuseum und das deutsche Technikmuseum unter den Dach der selbständigen Stiftung des Deutschen Technikmuseums Berlin zusammengefasst wurden.

Die Technische Universität Berlin plane die Aufgabe des Standortes Amrumer Straße 32 und Vermietung der Räumlichkeiten ab Ende des Jahres 2013. Die Aufgabepläne machen das Beibehalten des Standortes Amrumer Straße zu Nichte.
Der Vorstand der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin nimmt dies zum Anlass der Verlagerung des Zuckermuseums vom derzeitigem Standort zum Standort des Technikmuseums nach Berlin-Kreuzberg in die Trebbiner Straße. Dort sollen geeignete und attraktive Flächen für das Zuckermuseum zur Verfügung stehen. Eine Ausstellungsfläche von ca. 800 m² also doppelt so viel wie bisher ist vorgesehen. Bleibt abzuwarten, ob dies auch so umgesetzt wird.
Der Vorstand der Stiftung Deutsches Technikmuseums Berlin untermauert sein Vorhaben anhand der geringen Besuchszahlen trotz Entgeltfreiheit am derzeitigem Standort. Hiernach kamen 16.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr 2012 ins Zuckermuseum. Eine geringe Besuchszahl ist dies nicht, der Kiez wurde durch das Zuckermuseum gut besucht. Es herrscht eine unterschiedliche Auffassung über Besuchszahlen eines ganz speziellen Museums.

Institut für Zuckerindustrie

Alte Inschrift: Institut für Zuckerindustrie


Weiter wird der Vorteil des Umzugs nach Kreuzberg damit begründet, dass die Besuchszahlen im Technikmuseum 2012 bei ca. 500.000 lagen. Es wird mit Synergieeffekten zu Gunsten des Ende 2014 wieder zu eröffnendem und neu konzeptioniertem Zuckermuseums gerechnet. Geplant ist die Verbindung der Zuckerausstellung mit Bereichen der Chemie, Glykobiologie, Stoffwechselökologie und Biotechnologie.

Anhand der Ausführungen des Staatssekretärs Schmitz kommt der Petitionsausschuss zu dem Ergebnis, nicht in die fachliche Diskussion um die Verlagerung des Zuckermuseums einzugreifen, da dies alleinige Aufgabe der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin vertreten durch den Stiftungsrat sei, der dem Umzug mit Beschluss vom 19.11.2012 zugestimmt hat.
Der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses hat diesbezüglich keinen Beschluss gefasst, da sich hier wohl keine kulturpolitischen Erfordernisse ergeben. Auch nicht der Haushaltsausschuss, da sich keine haushaltsrechtlichen Auswirkungen ergeben. Der Umzug liegt im Rahmen der Selbstverwaltungsbefugnis der Stiftung Deutsches Technikmuseums Berlin und bindet keine zusätzlichen Mittel aus dem Landeshaushalt.

Mit Schreiben vom 17.01.2013 wurde die Petition damit aus den vorgenannten Gründen abschließend und abschlägig bearbeitet.

Es ist bedauerlich, dass ein wichtiger Teil des Kiezes durch höhere Entscheidung wegbricht, ohne dass bezirkliche Gremien dazu vor Umzugsentscheidung gehört wurden und auch im Nachgang kein sonderliches Interesse an der Sicht der Bezirkspolitik bestand.

Es bleibt abzuwarten, dass das Zuckermuseum am neuem Standort tatsächlich die Fläche zur Verfügung gestellt bekommt, die für eine gute Präsentation des Themas Zucker nötig ist.
Der SPD-Fraktion der BVV-Mitte war der Erhalt am Standort Amrumer Straße 32 wichtig, weil das Zuckermuseum uns wichtig ist. Nur weil die Beibehaltung des Museums am Weddinger Standort nicht möglich ist, heißt das nicht, dass uns das Zuckermuseum durch Umzug nicht mehr interessiert. Wir haben weiterhin ein Interesse daran, dass das Zuckermuseum im Technikmuseum nicht untergeht, sondern ausgebaut auf größerer Fläche viele Besucherinnen und Besucher erfreut. Es steht daher außer Frage, dass wir den Weitergang hinterfragen und uns für die Belange des Zuckermuseums einsetzen. Dies auch in Anbetracht der Tatsache, dass das Zucker-Museum süße Weddinger Geschichte geschrieben hat, die am neuen Standort eindrucksvoll wiedergegeben werden muss, um für die Freundinnen / Freunde und Förderinnen / Förderer des Zucker-Museums am aufgegebenem Standort keinen bitteren Nachgeschmack zu hinterlassen.

Abschließend noch ein Verweis auf die neuste Publikation „Zucker-Museum im Umbruch – Nachruf zur Leitungsvakanz – Pro et contra Standortwechsel und Strukturwandel“ von Hubert Olbricht, Universitätsverlag der Technischen Universität Berlin, 2012. Es handelt sich dabei um eine kommentierte Materialsammlung über das Zucker-Museum.

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