Gegen das vergessen: Stolpersteine putzen im Grünen Dreieck!

Veröffentlicht am 21.03.2018 in Bezirk

Am 20.März haben wir uns auf den Weg gemacht, pünktlich zum Frühlingsbeginn die Stolpersteine in unserem Abteilungsgebiet zu putzen. Die in die Gehwege und vor die Haustüren eingelassenen Messingplatten erinnern an die von den Nationalsozialisten ermordeten Menschen. Hinter jedem Stolperstein verbirgt sich die Geschichte von Personen, die in unserem Kiez ihren letzten selbst gewählten Wohnort hatten. Auf unserem Weg trafen wir keinen Stolperstein, der sich nicht über die Behandlung durch unsere Schwämme und Lappen gefreut hat. Besonders interessant war es, während wir die Stolpersteine putzten, zu erfahren, welches Einzelschicksal mit jeder Platte verbunden ist: Menschen jüdischen Glaubens, psychisch Kranke und politische WiderstandskämpferInnen, die hier ihr Zuhause hatten, gehören zu den Opfern des NS-Regimes.

Unseren ersten Halt machten wir am Nordufer 14, vor dem letzten Wohnort des Sozialdemokraten Otto Frank. Nach seiner Tätigkeit als Parteisekretär, Vorsitzender der Weddinger SPD und Bezirksstadtrat wurde er 1933 von der Gestapo verhaftet und gefoltert, ehe er 1936 an den Folgen dieser Folter starb. In der Sprengelstraße sind wir auf zwei weitere Stolpersteine gestoßen. Einer ist Hedwig Müller gewidmet, welche 1944 über Theresienstadt nach Auschwitz, und dort ermordet wurde. Der andere Stein erinnert an Anna Demloff, die 1934 mit 'manisch-depressivem Irresein' diagnostiziert wurde. Sie wurde nach Erbgesundheitsgerichtsbeschluss zwangssterilisiert und entmündigt, ihre zwei Söhne zur erbbiologischen Überprüfung eingewiesen. 1938 ließ sich ihr Mann auf Druck des Staates hin scheiden. Zwei Jahre später wurde sie in der Tötungsanstalt Hartheim im Rahmen der Krankenmorde 'Aktion T4' ermordet. Vor der St. Joseph-Kirche in der Müllerstraße liegt eine Messingplatte für Max J. Metzger, welcher sich als Geistlicher und Pazifist an der Verfassung von Schriften für ein Deutschland nach dem verlorenen Krieg beteiligt hat. Er wurde wegen Hochverrats enthauptet. Schon 1932, 34 und 39 wurde er wegen seiner Kritik am Nationalsozialismus verhaftet. Er setzte sich außerdem gegen Alkoholismus und für die Einigung der deutschen Christenheit ein. Müllerstraße 25 – langsam wurde es dunkel und kälter. Elisabeth und Julius Georg Wolff, Großhändler für Schokoladen und Konfitüre und Kaufmann, wurden 1941 in das Getto Litzmannstadt (Lodz) deportiert und dort ermordet. In der Ostender Straße 2 und 2a säuberten wir die Stolpersteine der Familie Schwarz, welche zum einem Teil (Vera, Emil und Toni) 1942 in das Getto Piaski bei Lublin deportiert und dort ermordet wurden, während Tana und Leew Schwarz 1943 nach Auschwitz gebracht und ermordet wurden. Unsere letzte Station des Abends stellte der Stolperstein für Ella Trebe dar. Sie war Metallarbeiterin bei AEG, Mitglied des Metallarbeiterverbandes und BVV-Mitglied für die KPD. Nach 1933 gehörte sie der verbotenen Gewerkschafts-Opposition an, und hatte Kontakt zu verschiedenen Widerstands-Gruppen und Kämpfern. Wegen des Kontaktes zu einem 'Fallschirmagenten' wurde sie 1943 ohne Prozess im KZ Sachsenhausen erschossen. Ein spannender Abend geht zu Ende. Viele der Steine hatten es bitter nötig, gereinigt zu werden, und fallen nun hoffentlich besser im Straßenbild auf.